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Kunststoff-Fenster-Recycling

Ressourcen schonen – Kreislauf schliessen

Was heute bei Renovierung, Sanierung oder Abriss ausgebaut wird, landet nicht mehr zwangsläufig auf der Deponie. Zunehmend mehr Fenster, Türen und andere Stoffe werden nach ihrer Demontage einem Recyclingsystem zugeführt und gelangen zurück in den Wertstoffkreislauf. Auf diese Weise können wertvolle Ressourcen geschont und Energie eingespart werden.

Die sieben Leben eines Altfensters

Die sieben Leben eines Altfensters


Was den ökologischen Stellenwert von Kunststoff-Fenstern im Vergleich zu Holz oder Aluminium betrifft, so liegen bis heute keine konkreten Ergebnisse vor, die einer bestimmten Fensterkonstruktion in allen Umweltwirkungen deutliche Vor- oder Nachteile bescheinigen. Schließlich ist jedes Gebäude ein Unikat und es gilt, die dafür passende Lösung zu finden.

Nimmt man den gesamten Lebenszyklus von Kunststoff-Fenstern aus PVC unter die Lupe – von der Rohstoffgewinnung über den Verarbeitungsprozess bis zur Nutzung und schließlich der Entsorgung –  so erzielt die fast vollständige Wiederverwertbarkeit einen deutlich positiven Effekt bei der Ökobilanz. Denn: 98 Prozent der Bestandteile eines Kunststoff-Fensters lassen sich recyceln, die wertvolle Ressource Erdöl wird geschont. Das PVC aus Altfenstern kann mindestens sieben Mal wiederverwertet werden, bei gleichbleibender Qualität und Witterungsfestigkeit.

Jährlich steigende Recyclingquote

Jährlich steigende Recyclingquote


Anfang der 90er Jahre wurden die ersten Kunststoff-Fenster gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Was zu diesem Zeitpunkt noch als exotisch galt, hat sich im Laufe der Jahre immer mehr etabliert. Mehr als 2,5 Millionen Kunststoff-Fenster wurden 2012 europaweit recycelt. In Österreich wurden beispielsweise 2009 rund 45.000 Fenster in 895 Tonnen recyclierten Kunststoff umgewandelt – das ist etwa zehnmal so viel als noch im Jahr 2000. In Deutschland hat die Rewindo – ein Zusammenschluss der führenden deutschen Kunststoffprofilhersteller –  im Jahr 2012 rund 22.000 Tonnen PVC-Recyclat aus Altfenstern, Türen und Rollläden gewonnen.

Unterstützt wird das Recycling von Kunststoff-Fenstern inzwischen von vielen Herstellern in der Branche. Es sind landesweite Initiativen entstanden, wie der Österreichische Arbeitskreis Kunststoff-Fenster (ÖAKF), ebenso wie europaweite Zusammenschlüsse. Das gemeinsame Ziel: die Wiederverwertungsquote von Altfenstern konsequent weiter erhöhen - im Sinne der freiwilligen Selbstverpflichtung der europäischen PVC-Branche zu nachhaltigem Wirtschaften. Bis 2020 sollen demnach jährlich 800.000 Tonnen Kunststoff-Fenster in Europa recycelt werden.

Der Stoff, aus dem die Rahmen sind

Der Stoff, aus dem die Rahmen sind


Ein Stoff, der sich sehr gut wiederverwerten lässt, ist PVC (Polyvinylchlorid). Vor über 60 Jahren hat er Einzug in den Alltag gehalten, viele Gebrauchsgegenstände sind aus diesem thermoplastischen Kunststoff hergestellt: vom Mixer über die Küchenuhr bis zu Kopfhörern. Haupteinsatzbereich von PVC ist jedoch die Bauwirtschaft. Fast 70 Prozent des jährlich produzierten PVCs in Europa werden zu Bauprodukten verarbeitet – wie Rohre, Bodenbeläge, Rollladen, Dachbahnen und: Kunststoff -Fenster.

Seit Ende der 60er Jahre werden Kunststoff-Fenster verbaut, Tendenz stetig steigend. Sie sind langlebig, robust, äußerst witterungsbeständig und haben eine hohe Dämmleistung. PVC als Basisstoff  dieser Fenster besteht zu 43 Prozent aus Erdöl und zu 57 Prozent aus Chlor. Weil Chlor ein Abfallprodukt ist, das bei der Kochsalzelektrolyse entsteht, braucht es keine Extraproduktion für die PVC-Erzeugung. Zudem bedarf es in Kunststoff-Fensterprofilen  weiterer Hilfsmittel. Dazu zählen auch Stabilisatoren, die früher immer bleihaltig waren. Als erstes Unternehmen weltweit hat Internorm 1994 eine bleifreie Rezeptur entwickelt und eingeführt. Später stellten auch andere Hersteller auf bleifreie Verbindungen um.

Es war einmal ein Fenster

Es war einmal ein Fenster


In den Anfängen des Kunststoff-Fensterrecyclings musste die Zerlegung und Verwertung noch per Hand erfolgen. Heute übernehmen diese Aufgaben ausgeklügelte Maschinen. Ausschuss, der bei der Herstellung entsteht, und PVC-Schrott recycelt beispielsweise Internorm im eigenen Werk und führt es wieder der Extrusion zu.

In modernen Recyclingwerken, wie dem von Internorm-Partner Rewindo in Behringen, wird das Altfenster nicht mehr in seine Bestandteile zerlegt, sondern kommt mit Metallbeschlägen, Glasresten und Dichtungen in einen großen Shredder. Anschließend erfolgt die stoffliche Trennung in Separationseinheiten. Metallbestandteile werden beispielsweise mithilfe eines Magneten aus dem Materialstrom getrennt. Die PVC-Stücke werden weiter zerkleinert und gereinigt.  Durch digitale optische Erkennung kann anschließend automatisch weißes von nicht-weißem PVC getrennt werden. Bei der Veredelung wird das PVC noch weiter granuliert und letzte Fremdstoffe herausgefiltert.

Was bleibt, ist hochwertiges sortenreines PVC-Granulat. In bester Qualität kann es nun zur Herstellung neuer Fenster genutzt werden. Auch das recycelte Alteisen, Nichteisenmetalle, sonstige Kunststoffe und Gummi stehen zur Weiterverarbeitung bereit. Internorm nutzt Alteisen und Aluminium zur Herstellung neuer Profile.