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Korea meets Österreich

Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Architektur

Seit über 120 Jahren unterhalten Korea und Österreich eine offizielle Beziehung, doch wirkliche Verbindungen gibt es wenige.Dabei sind Anknüpfungspunkte vorhanden. Die Architektur kann so einer sein. Anlässlich eines Besuchs südkoreanischer Architekten bei Internorm sprach Blick.Beziehung.Architektur mit dem Architekten Byong-Hun Lee über Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Architektur. Der gebürtige Koreaner lebt und arbeitet seit 1997 in Wien und ist als Vermittler im Rahmen des Kulturaustauschs tätig.  

Blick.Beziehung.Architektur: Was sind die länderspezifischen Unterschiede in der Architektur zwischen Südkorea und Österreich?

Byong-Hun Lee: Österreich ist weiter in der energieeffizienten Technik und insbesondere dem dafür notwendigen Architekturdesign. Entsprechend den baulichen Schwerpunkten verfügt Korea über mehr Know-how in der marktwirtschaftlichen Anpassung, der Hochhaustechnik und natürlich im IT-Bereich.

BBA: Geben Sie uns bitte einen kurzen Einblick in die aktuelle koreanische Architektur.

Lee: Traditionell gab keine starke Trennung zwischen öffentlich und privat. Mit der Moderne, die auch die koreanische Architektur stark prägte, änderte sich dies. Dennoch hat sich der Wunsch nach einer Öffnung der Räume auch nach außen erhalten. Heute besinnt man sich teilweise auf die Qualitäten traditioneller Grundrisse. Gefragt sind neue Lösungen zur Umsetzung der Flexibilität innerhalb des Gebäudes und in Bezug zum Außenraum. Hierbei kommt dem Fenster natürlich eine große Rolle zu.

Eine weitere wichtige bauliche Tradition ist die Fußbodenheizung. Innerhalb der Wohnung spielt sich das Leben überwiegend auf dem beheizten Boden ab. Dieser geänderte Blickwinkel muss natürlich bei der Planung von Öffnungen berücksichtigt werden. Nicht nur aus dieser Tradition heraus ist der Trend zu großen Glasflächen in Asien ein großes Thema.

BBA: Sehen Sie auch Gemeinsamkeiten?

Lee: Mit vier deutlich zu unterscheidenden Jahreszeiten ist die klimatische Situation in Korea nicht viel anders als in Österreich. (Anmerkung der Red.: In Korea fallen Frühling und Herbst eher sonnig und angenehmen aus. Der Sommer ist sehr regenreich und der Winter oft sehr kalt.) Dadurch sind architektonische Aufgaben wie der Sonnenschutz und die Wärmedämmung vergleichbar. Früher wurden diese Aspekte oft durch bauliche Maßnahmen wie eine Beschattung durch ein Vordach gelöst. Heute übernehmen Fenster diese Aufgabe.

Koreas großer Architekturtrend: Passivhäuser

BBA: In Europa sind die Themen Fenster und Energieeffizienz inzwischen untrennbar verbunden. In Korea auch?    

Lee: 2010 gab es einen großen Bauskandal. Das neuerrichtete, vollverglaste Rathaus von Yongin hatte einen Energieverbrauch von 791 kWh pro Quadratmeter im Jahr. Das wirkte wie ein Weckruf. Das zuständige Ministerium „Ministry of Land, Infrastructure and Transport“ hat das Ziel gesetzt, bis 2020 den CO2-Verbrauch um 26,9 Prozent zu reduzieren. Ab 2017 müssen Fenster einen U-Wert < 1.0W/m2k und Außenwände einen U-Wert < 0.19W/m2k aufweisen.

BBA: Welche Erkenntnisse können die Besucher aus Korea hinsichtlich der energieeffizienten Bauweise mitnehmen?

Lee: Besonders beeindruckend ist die Vereinbarkeit von Passivhaus-Bauweise und größeren Fensterflächen bei Internorm. Im technischen Bereich hat uns Internorm einen tollen Einblick in die I-tec Technologien gewährt. Die integrierte Lüftung mit Wärmetauscher sowie die neuen Lösungen in der Haustechnik haben uns bei unserem Besuch überzeugt.

BBA: Ist „Made in Austria“ ein Qualitätsmerkmal?

Lee: Ja, alle europäischen Märkte schätzt man in Korea hoch. Manchmal wird Austria allerdings mit Australia verwechselt. Doch Tirol kennt fast jeder – es gibt sogar ein Tiroler Haus in Korea.