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Haus des Monats 2018

Im Gespräch mit Architekt Mag. Raimund Wulz, ARCHITEKTURHALLE, 6410 Telfs

 

Internorm: Welche charakteristischen Merkmale zeichnen die Architektur des Projektes aus?

Arch. Mag. Wulz: Zwölf in ihren Abmessungen selbstbewusst freistehende Baukörper werden in einer offenen, gestaffelten und durchgrünten Bebauungskomposition in das natürliche Gelände eingesetzt. Sie bilden im Zusammenhang mit in den Grünraum gezeichneten Wegen und Plätzen ein feinkörniges Siedlungsensemble aus. Die Gliederung und Positionierung der einzelnen Baukörper richtet sich nach dem natürlichen Verlauf des Geländes und spiegelt die Fließbewegung der bestehenden Topographie wieder. Sensibel bemessene Zwischenräume und ein Wechsel von räumlicher Dichte mit weiten Blicken quer durch die präzise gesetzten Baukörper, verweben den ursprünglichen Ort mit großzügigen Aufenthalts- und Bewegungsräumen.

Internorm: Welche ökologischen und nachhaltigen Aspekte bzw. Vorbildfunktionen für zukunftsweisendes Bauen bietet dieses Projekt?

Arch. Mag. Wulz: Für die gesamte Wohnanlage wurde eine zentrale Heizanlage errichtet, welche mit Pellets betrieben wird. Unterstützend sind auf den Dachebenen Solarkollektoren verortet, welche durch die höher gestellte Attika optisch nicht wahrnehmbar sind. Sämtliche Wohnungen sind in ihrer Hauptorientierung nach Süden bzw. Westen konzipiert. Die vorgelagerten Loggien dienen als intelligenter baulicher Sonnenschutz und steuern bewusst den solaren Wärmeeintrag. Sämtliche Autos sind in einem unterirdischen natürlich belichteten Parkdeck situiert. Somit ist das gesamt Areal verkehrsfrei mit einer zusammenhängenden Grünlandschaft, die den Bewohnern zu Gute kommt, gestaltetet. 

Internorm: Wie hat Internorm Sie bei der Umsetzung von Projekten unterstützt?  

Arch. Mag. Wulz: Um das nicht gewöhnliche Detail der schrägen Fensterlaibung realisieren zu können, hat uns Firma Internorm schon frühzeitig in der Planung unterstützt. In der Umsetzungsphase mit der ausführenden Firma hat sich diese Zusammenarbeit weiter vertieft und zu einem neuen Fenstertypus im Wohnbau geführt. 

Internorm: Gibt es so etwas wie eine übergeordnete Idee zu diesem Projekt?

Arch. Mag. Wulz: Diese übergeordnete Idee zur Fassade mit ihren Fensteröffnungen und Loggienstrukturen im Zusammenspiel mit den teilweise schrägen Laibungen, suggerieren die Durchblicke in einen Wald und erinnern an den Charakter der ursprünglichen Waldlandschaft.

Internorm: Was war im Zusammenhang mit diesem Projekt die größte Überraschung für Sie?  

Arch. Mag. Wulz: Anscheinend ist die übergeordnete Idee, die Waldlandschaft in Form von Fenstern und Balkonen neu zu interpretieren bis in die Tierwelt vorgedrungen, da wir nun Spechte haben, die die Fassade der Wohngebäude als ihren natürlichen Wohnraum ansehen und sie auch immer wieder bearbeiten.

Internorm: In welche Richtung, denken Sie, wird sich die Architektur in Zukunft entwickeln?

Arch. Mag. Wulz: Mein Anliegen ist es, den Menschen durch immer mehr aufkommende Normen und Gesetze nicht zu vernachlässigen und zu reglementieren, sondern gerade ihm die höchste Priorität in der Architektur des Wohnbaus zu schenken. Architektur muss die Identität, Zufriedenheit und Behaglichkeit der Bewohner fördern.

Internorm: Wir danken für das nette Gespräch!

 

Architekt: ARCHITEKTURHALLE, Arch. Mag. Arch. R. Wulz Ziviltechniker KG, Partner Ing. Manfred König, Niedere-Munde-Straße 15a, 6410 Telfs

Projekt: Anna-Dengel-Straße, Bst. 1 + 2

Vertriebspartner: Fenstervisionen HandelsGmbH, Staudach 27, 6422 Stams

Fotograf: Ing. Simon Schnegg

Bauherr: Weinberg Bauträger & Projektentwicklungs GmbH, 6020 Innsbruck

Haus des Monats Jänner 2018

Haus des Monats Jänner 2018

Im Gespräch mit Architekt Dipl.-Ing. Kaindl und Dipl.-Ing. Kuntner, Atelier Kaindl+Kuntner GmbH, 1030 Wien

Internorm: Welche charakteristischen Merkmale zeichnen die Architektur des Projektes aus?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Bei allen Gründerzeithäusern wo wir mit dem Thema umfassende Sanierung und Dachgeschoßausbau konfrontiert werden, ist es uns wichtig respektvoll und behutsam mit der alten Bausubstanz umzugehen, aber gleichzeitig nicht davor zurückzuschrecken, dort wo es uns erforderlich erscheint, entsprechende Eingriffe vorzunehmen um die Ansprüche unsere Zeit und unsere eigenen architektonischen Vorstellung zu erfüllen.

Beim Projekt Erlgasse konnte man den Bestand gut für sich selbst sprechen lassen. Wichtig war hier lediglich, die alte Architektur wieder aufleben zu lassen und mit einigen wenigen neuen, aber dem damaligen Stil entsprechenden Versatzstücken zu verfeinern.

In der Trubelgasse war dies insofern spannender, als dass der Bestand sich sehr von typischen Gründerzeithäusern abhebt (ehemaliges Hotel). hier konnten wir wunderbar an die Eleganz anknüpfen und diese mit modernen Elementen weiterführen.

Am Reithofferplatz ist es hauptsächlich die Idee, die Erschließung über Freiräume zu organisieren, von welcher die Charakteristik des Projektes lebt. So konnte der ehemals karge Innenhof mit einer herrlich spannenden architektonischen Struktur versehen, nahezu alle Wohnungen mit Freiräumen versorgt und gleichzeitig unnütze Gangbereiche in die Wohnungen miteinbezogen werden.

Internorm: Welche ökologischen und nachhaltigen Aspekte bzw. Vorbildfunktionen für zukunftsweisendes Bauen bietet dieses Projekt?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Unsere Auftraggeber legen glücklicherweise die Latte hinsichtlich Energieeffizienz und Durchdachtheit der Grundrisslösungen sehr hoch. Wir versuchen daher, dass jeder gebaute Quadratmeter räumlich und energetisch möglichst sinnvoll nutzbar ist. Wenn wir dies aufbauend auf einer alten baulichen Substanz erreichen und zusätzlich durch den nachträglichen Dachgeschoßausbau zur Verdichtung des städtischen Gefüges beitragen, dann hat das aus unserer Sicht schon recht viel mit Nachhaltigkeit zu tun.

Internorm: Wie hat Internorm Sie bei der Umsetzung von Projekten unterstützen?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Internorm hat uns durchwegs sehr umfassend bei der Umsetzung unterstützt. Dies beginnt bei der Beratung in der Planungsphase durch den Architektenbetreuer und wird durch den Lieferanten im Zuge der Ausführung weitergeführt. Entscheidend ist oftmals, kurzfristig zu den planungsrelevanten Informationen zu kommen - dies funktioniert mit internorm.

Internorm: Gibt es so etwas wie eine übergeordnete Idee zu diesem Projekt?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Das Haus in der Erlgasse hatte einen wunderbaren Charakter, lediglich etwas verblasst. Also war die Idee naheliegend das "gute alte" wieder wach zu küssen. Klingt simpel, in der Umsetzung teilweise recht herausfordernd.

Die Trubelgasse liegt inmitten des Fasanviertels, welches durchaus für einen gehobenen Anspruch steht. Hier schien es uns angebracht eine zurückhaltende Eleganz im Straßenraum und in den Stiegenhausbereichen zu schaffen. Eine im Detail hochwertige aber nicht aufdringliche Formensprache. Die Idee der Laubengänge war am Reithofferplatz der erste Teil, dann war recht bald klar, dass diese einen starken Charakter bekommen sollen.

Internorm: Was war im Zusammenhang mit diesem Projekt die größte Überraschung für Sie?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Der atemberaubende Blick von den Dachterrassen in der Trubelgasse über praktisch ganz Wien. Das war so nicht vorauszusehen. Am Reithofferplatz ist erstaunlich wie viele interessante Blickwinkel in einem engen Innenhof möglich sind.

Internorm: In welche Richtung, denken Sie, wird sich die Architektur in Zukunft entwickeln?

Dipl.-Ing. Kaindl u. Dipl.-Ing. Kuntner: Es ist zu befürchten, dass die bereits jetzt sehr hohen Anforderungen seitens der Bauordnung und den technischen Richtlinien zunehmen und die Umsetzung derselben die Architektur weiter vom Nutzer wegbringt als das den Architekten lieb sein kann. Auf der anderen Seite zwingt dies den Bauherrn geradezu hinsichtlich der Ausnutzbarkeit zu optimieren um die immer mehr ansteigenden Baukosten in den Griff zu bekommen. Das führt letztendlich dazu, dass für Architektur und damit der Gestaltung von Lebensräumen zu wenig Potenzial übrig bleibt.

Internorm: Wir danken für das nette Gespräch!

 

 

 

 

 

Architekt: Atelier Kaindl+Kuntner GmbH, Dipl.-Ing. Peter Kaindl + Dipl.-Ing. Wolfgang Kuntner, Fasangasse 49/10, 1030 Wien

Projekt: Gründerzeithäuser - Erlgasse, Reithofferplatz, Trubelgasse, Wien

Vertriebspartner: Baustoffgrosshandel Michael Koch Ges.m.b.H, Altenburgerstraße 18, 7100 Neusiedl

Fotograf: Rudy Dellinger

Hinweis: Projekt Erlgasse: ursprüngliche Einreichplanung von SIGS Bauplanungs GmbH; Ausführungsplanung und Design von Atelier Kaindl+Kuntner GmbH