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Licht hat die Gesellschaft verändert

Ein Gespräch mit der Architektin und Künstlerin ISA STEIN (rechts im Bild) über das Verhältnis von (Tages-)Licht und Architektur

Das Leistungsspektrum des ISA STEIN STUDIOS bewegt sich zwischen Architektur und Kunst. Dabei befruchten sich beide Disziplinen gegenseitig. So wie beim Büroneubau für Internorm aus dem Jahr 2013. Blick.Beziehung.Architektur sprach mit der Gründerin Isa Stein über Licht in diesem vielschichtigen Spannungsfeld.

Blick.Beziehung.Architektur: Moderne Gläser und Fensterkonstruktionen erlauben es heute, die ehemals geschlossene Wand vollständig durch Glas zu ersetzen. Damit dringt ein Maximum an Tageslicht in das Gebäude ein, gleichzeitig geht aber auch die Privatheit ein Stückweit verloren. Wie gehen Sie mit diesem Zwiespalt um?

ISA STEIN: Generell haben sich die Ansprüche an Gebäude verändert. Besonders in der Büroarchitektur ist seit einigen Jahrzehnten das Glas als Wand-Ersatz im Vormarsch.

Geschichtlich gesehen war das Haus an sich ein Rückzugsort, daher wurden Einblicke gering gehalten. Und natürlich auch aus der Bauphysik heraus. Kleine Fenster und viel Wandfläche ermöglichte es die Häuser besser zu heizen.

Der technische Fortschritt gibt uns neue Optionen. Einen Glaspalast zu bauen und viel Energie zu brauchen ist heute möglich. Die Herausforderung ist jedoch, dass wir Architekturen bauen, die einerseits ökologisch sind, sprich, dass wir mit unserer Umwelt gut umgehen und andererseits, dass wir gesellschaftlich auf unsere Bedürfnisse reagieren. Das heißt, wie Sie sagen, die Privatheit, die notwendig ist zu respektieren. Bei unserem Projekt – dem Headquarter von IFN-Internorm ­­– versuchen wir eine Balance zwischen Transparenz und eigenem Rückzug zu gestalten. Ein Gebäude kann mit seiner Architektur aktivierend sein. Der Bürobau hat andere Ansprüche zu erfüllen, wie ein privates Wohnhaus.

Ich darf dies die  Architektur des Umgangs nennen.

BBA: Bei dem Büroneubau in Traun sind die Innenwände aus Glas. Dadurch führen Sie Tagelicht bis in den zentralen Gebäudekern und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität. Wie erreichen Sie hier dennoch eine räumliche Trennung bzw. ein Gefühl der Abgrenzung zwischen Zimmer und Flur?

ISA STEIN: Die Ansprüche an ein Bürogebäude und an ein Wohnhaus sind anders. Privatheit bedeutet in beiden Fällen auch etwas anderes. Im Bürogebäude sprechen wir mehr von Rückzugsgebieten. Um den genauen Wunsch und Grad der Interaktion zwischen den Mitarbeitern einer Firma zu verstehen, führen wir sehr viele Gespräche mit dem Eigentümer. Bei IFN Internorm ist der kommunikative Austausch wichtig, da an diesem Standort auch Entwicklungstätigkeit stattfindet. Die Ruhe, um der eigenen Arbeit nachzugehen, ist jedoch genauso eine Voraussetzung. Wir haben versucht diese Parameter umzusetzen, indem wir die Glastrennwände zwischen Büros und Mittelzonen individuell foliert haben. Hier war uns wieder das Thema der Identifikation und Verortung wichtig. Die Folierung ist individuell für das Unternehmen entstanden und wir haben Konstruktionszeichnungen von Fensterschnitten für die Folierung umgesetzt.

So erreichen wir einerseits eine Transluzenz und andererseits eine spezifische Abstimmung auf das Unternehmen.

Licht ist etwas Sinnliches und darf daher auch überraschen.

BBA: Natürliches Licht verändert sich im Tagesverlauf. Integrieren Sie diesen Wechsel in Ihre Architektur?

ISA STEIN: Hier hatten wir natürlich genau den richtigen Partner an unserer Seite, von dem wir sehr profitiert haben. Die IFN Holding ist führend am Markt hinsichtlich der Kunststofffenster mit Internorm, umfasst jedoch auch andere Unternehmen, wie z.B. den Beschattungshersteller Schlotterer.

Die Firma Schlotterer hat ein Produkt von Jalousien mit Lichtlenkung entwickelt, das wir sowohl im Neubau, als auch im Altbau zum Einsatz bringen konnten. Durch die Lichtlenkung wird der Einstrahlwinkel so gelenkt, dass eine große Menge Tageslicht bis tief in das Gebäude gerichtet wird.

BBA: Zusätzlich zum Tageslicht wird jeder Raum auch künstlich beleuchtet. Welche Möglichkeiten bei der Gestaltung bietet künstliche Beleuchtung, die Tageslicht evtl. nicht bietet und wie ergänzen sich beide Beleuchtungsarten?

ISA STEIN: Tageslicht empfinden wir alle als natürlich und angenehm. Eine künstliche Beleuchtung ist als Ergänzung gedacht, sodass die Arbeitsplätze bestmöglich ausgeleuchtet sind. Durch eine individuelle Steuerung sind die Arbeitsplatzlampen individuell zu bedienen. In den Allgemeinbereichen haben wir auf indirektes Licht gesetzt. Wir wollten neue Stimmungen erzeugen, die im Bürobau überraschen. Licht ist etwas Sinnliches und darf daher auch überraschen.

Beim gesamten Neubau war das Ziel ein Nullenergiehaus mit Möglichkeit der Nachrüstung auf ein Plusenergiehaus zu machen, daher wurde nur LED-Technologie eingesetzt.

BBA: Als Künstlerin arbeiten Sie immer wieder mit Licht als gestalterisches Medium, beispielsweise beim Hotel am Domplatz in Linz. Warum?

ISA STEIN: Licht hat etwas Poetisches an sich. Gerade bei dem angesprochenen Projekt ist es etwas sehr schönes mit Licht „zu zeichnen“, etwas zu konstruieren, entstehen zu lassen und es danach wieder schwinden zu sehen. Licht ist wie ein Gedanke, wie ein Traum. Wenn man sich auf Licht einlässt, hat es etwas Sinnliches. Noch dazu hat Licht unser Leben verändert. Denken wir zurück, wie es nur Kerzenlicht gab oder danach die Petroliumlampe. Licht hat die Gesellschaft verändert.

Foto: Isa Stein (rechts) mit Anette Klinger, Mitinhaberin Internorm Internation GmbH