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Glassysteme

Funktionaler Mehrwert

Die Kombination aus Verglasung, Glasfalzausbildung und der Eindichtung in den Rahmen wird als Glassystem bezeichnet. Aus den möglichen Kombinationen ergeben sich verschiedene Eigenschaften für die Fensterkonstruktion, wobei natürlich auch Material und Bauart des Rahmens berücksichtigt werden müssen. Zur Bewertung eines Glassystems müssen Wärmedämmung, Schalldämmung, Brandschutz und auch der mögliche Energiegewinn durch die Verglasung betrachtet werden. Wichtige Kennwerte hierfür sind der Wärmedurchgangskoeffizient (Uw-Wert), der Energiedurchlassgrad (g-Wert) und das Schalldämm-Maß (R).

Sicherheitsglas

Sicherheitsglas

Sicher

Bei der Herstellung von Einscheibensicherheitsglas (ESG) wird das Glas auf die so genannte Transformationstemperatur erhitzt und dann plötzlich abgekühlt. Dadurch entstehen in der Oberfläche Druckspannungen, die das Glas vorspannen und vor allem die Biegebruchfestigkeit erhöhen. Es ist schlagsicher und kann z.B. Ballwürfen standhalten, beim Bruch zerfällt es in stumpfkantige Glaskrümel. Beim Verbundsicherheitsglas werden zwei oder mehrere Glasscheiben mit Kunststofffolien zusammengefügt, die Glassplitter sind dadurch beim Bruch gebunden.

Isolierglas und Wärmeschutzisolierglas

Isolierglas und Wärmeschutzisolierglas

Isolierend

Wenn zwei oder mehr Glasscheiben zusammengefügt und über luftdichte Ränder zu einer Einheit verbunden werden, erfüllt diese Verbundkonstruktion (Isolierglas) höhere Anforderungen an Wärme- und Schallschutz als Einscheibenverglasungen. Der Randverbund ist für die Dichtigkeit maßgeblich und ist aus Metall (Aluminium, Edelstahl) oder glasfaserverstärktem Kunststoff. Wird der Scheibenzwischenraum mit Edelgas (z.B. Argon, Krypton, Xenon) gefüllt, kann eine weitere Verbesserung der Wärmedämmung erreicht werden. Beim Wärmeschutzglas wird zusätzlich die Außenseite der dem Raum zugewandten Scheibe mit einer Wärmedämmbeschichtung aus Zinnoxid, Gold oder Silber versehen. Dadurch wird ein Großteil der Wärmestrahlung zurück in den Innenraum reflektiert. 

Sonnenschutzglas

Sonnenschutzglas

Schützend

Das Eindringen von Sonnenlicht und somit von Wärmestrahlung in den Innenraum kann durch den Einsatz von Sonnenschutzgläsern verhindert werden. Dadurch kann gegebenenfalls auf weitere Beschattung verzichtet werden. Beim Reflexionsglas reflektiert eine Metalloxidbeschichtung auf der Innenseite der äußeren Scheibe zu großen Teilen die Strahlungsenergie, lässt sichtbares Licht jedoch weitgehend passieren. Wird die Beschichtung auf die Außenseite der äußeren Glasscheibe aufgetragen, ist der Lichtreflexionsgrad höher und es entsteht ein Spiegeleffekt. Beim Absorptionsglas bewirkt eine Einfärbung des Glases, dass die einfallende Strahlungsenergie teilweise aufgenommen und in Wärmeenergie umgewandelt wird. Diese wird hauptsächlich nach außen abgegeben, nur ein kleiner Teil der Wärmeenergie gelangt verzögert in den Innenraum.

Schallschutzglas

Schallschutzglas

Leise

Das bewertete Schalldämm-Maß Rw kennzeichnet die schalldämmenden Eigenschaften einer Isolierglaseinheit. Um den Wert zu verbessern, werden dickere Scheiben verwendet. Dadurch wird die Schallübertragung reduziert. Jedoch sollten innere und äußere Scheibe unterschiedlich dick sein, um Resonanzen zu vermeiden. Auch der Einsatz von Verbundscheiben verbessert das Schalldämm-Maß oder aber ein vergrößerter Scheibenabstand. Dieser kann aber nur bedingt erhöht werden, da sonst die Wärmedämmung beeinträchtigt wird.

Brandschutzglas

Brandschutzglas

Feuerfest

Bei Brandschutzverglasungen wird zwischen den Feuerwiderstandsklassen G und F unterschieden. G-Gläser verhindern den Flammen- und Gasdurchgang, ein G30-Glas erfüllt dies für eine Dauer von 30 Minuten. Allerdings sind sie kein Schutz gegen die Brandhitze, was dazu führen kann, dass sich Materialien auf der anderen Seite des Glases entzünden. F-Gläser verhindern im Brandfall zusätzlich den Überschlag der Brandhitze – so können zum Beispiel hinter einem Brandschutzabschnitt liegende Fluchtwege oder Treppenhäuser vor einem Brandüberschlag geschützt werden. Die Funktionsweise beruht darauf, dass eine in die Scheibenzwischenräume eingebrachte Gelfüllung im Brandfall zu einer zähen, festen Masse aufschäumt oder verdampft. Für F-Verglasungen wird eine bauaufsichtliche Zulassung benötigt. Brandschutzgläser müssen immer in Zusammenhang mit den Rahmen und deren Befestigung am Rohbau betrachtet werden.